Frankreichtour 2016 - Wandern mit dem Pferd Muli oder Esel

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Frankreichtour 2016

Touren / Galerie

Ende August 2016 geht es mit den Packtieren Atlanta und Sunny auf große Reise. 9 Wochen lang führte die Reise von Rottenburg am Neckar nach Frankreich. Zu Fuss legen wir ca. 800km durch Schwarzwald, Elsass, Vogesen, Doubt und das französische Jura bis kurz vor Grenoble zurück. Eigentlich waren die Pyrenäen das Ziel und die Dauer der Tour völlig offen, warum jedoch alles anders gekommen ist und was wir erlebt haben kannst du im folgenden Bericht lesen.
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Jetzt ist es also soweit, alles ist weg und es gibt kein Zurück mehr. Arbeit weg, Auto weg, Wohnung weg. Außer einigen verstauten Kleinigkeiten besitzen wir nur noch das, was auf unsere Tragtiere passt. Wir können nun nicht mehr nach Hause zurück, unser Zuhause ist jetzt dort wo wir gehen und stehen, dort wo wir unser Zelt aufschlagen. Ein Leben fern von materiellem Überfluss und gesellschaftlichem Sicherheitsdenken.

Eine schweißtreibende Angelegenheit.

wandern mit Pferd

Es ist heiß, sehr heiß. Bei über 30 °C hat unsere Reise mit den Packtieren Atlanta und Sunny am 23. August in Rottenburg begonnen. Jetzt geht es erstmal durch den Schwarzwald in Richtung Frankreich. Das Laufen wird für uns und unsere Tiere zu einer schweißtreibenden Angelegenheit und wir suchen über die Mittagszeit immer wieder schattige Plätzchen auf um keinen Sonnenstich zu bekommen. So geht es langsam voran, aber das ist ja gerade das Schöne. Das Laufen mit den Packtieren ist eine besondere Art der Fortbewegung, bei der man wegen des langsamen Tempos und den Bedürfnissen der Tiere seine Umwelt und seine Mitmenschen intensiv wahrnimmt und mit ihnen schnell in Kontakt kommt. So wären wir wohl in einem klimatisierten Auto an all den schönen schattigen Plätzen und den einladenden Biergärten unbeeindruckt vorbeigefahren.
Schon in den ersten zwei Wochen haben wir viele interessante Bekanntschaften gemacht. Angefangen von Landschaftsgärtner ‚Manne‘, bei dem wir eine große Weide und ein wohltuendes Bier bekamen über Jürgen Knöpfle der uns in Fluorn-Winzeln auf einen Brunnen zum Tränken der Tiere aufmerksam machte. Kurz vor dem Hitzschlag und in Aussicht eines nahegelegenen Baches wären wir ansonsten vorbeigelaufen. In einem Biergarten ein paar Meter weiter packen wir erstmal ab und stillen auch den eigenen Durst. Der rumänische Betreiber gesellt sich zu uns und auch Jürgen Knöpfle kommt von der anderen Seite des Baches herüber. Eine kleine Zweiradwerkstatt wie aus alten Zeiten betreibt er hier aus Liebhaberei und Leidenschaft. Wir zeigen Interesse und er zeigt uns wunderschöne Fotoaufnahmen und seine analoge Kameraausrüstung, schöne alte Stücke, die auch heute noch tadellos funktionieren. Eine schöne alte Zündapp, Baujahr 1971 und eine BMW, Baujahr 1954 gibt es auch noch zu bewundern.

Hitze, Hitze und noch mehr Hitze

Ein Ende der Hitzewelle ist nicht abzusehen. In der prallen Sonne laufen wir weiter und haben nur noch den Wunsch nach ein wenig Schatten. Schiltach ist die nächste Station. Pferde anbinden, abpacken, sich hinsetzen und die heißesten Stunden abwarten, das ist das beste was wir jetzt tun können. Einen Kaffee und eine Einladung zum Essen, sowie Pferd richtig packeneinen sicheren Schlafplatz bekommen wir von Leuten aus den umliegenden Geschäften.
Harald erklärt Norbert den Weg zu seinem Haus, wo wir heute Nacht bleiben können. Es sind jedoch noch einige Kilometer und wir laufen los.
Wieder bringt der Weg eine Überraschung mit sich. Wir kommen an einem belebten Festzelt vorbei. Ein Mann meint zu Norbert er würde sehen, dass sein Muli Durst habe. Bei einem kurzen Stopp und einem schnellen Bier stellt sich heraus, dass es Musiker aus dem Oberschwäbischen sind und besagter Mann Norberts halbe Verwandtschaft kennt und sie wahrscheinlich über einige Ecken selbst miteinander verwandt sind.

Unterwegs passieren eben immer wieder Dinge, die man kaum für möglich hält. Die Tagesabläufe wiederholen sich und das Unterwegssein wird zum Alltag. Das Abenteuer besteht jedoch darin, dass jeder Tag neue, nicht planbare Überaschungen mit sich bringt.

Jetzt aber noch den Berg hoch zu unserer Übernachtungsmöglichkeit. Harald und Birgit wohnen in einem einsam gelegenen Haus ohne Strom. Bei Kerzenlicht und Lagerfeuer verbringen wir einen schönen Abend mit ihnen, bevor wir im Dunkeln noch die letzten Meter auf eine Wiese im Wald zurücklegen. Unser Zelt haben wir bis jetzt noch nicht gebraucht und so schlafen wir auch diese Nacht wieder im ‚1000 Sterne Hotel‘. Mitten in der Nacht ein lauter Donner, Blitze leuchten die gesamte Umgebung aus. Jetzt heißt es aber schnell das Zelt aufbauen und alles in Sicherheit bringen, bevor das große Unwetter kommt. Das Gewitter zieht jedoch an uns vorüber, Glück gehabt, die ersehnte Abkühlung bleibt damit aber leider auch aus.

Am nächsten Morgen, es ist Sonntag, entscheiden wir uns kurzerhand hier oben einen Ruhetag einzulegen, ist das schwüle Wetter doch kaum auszuhalten.
Wir gehen hinunter ins Kinzigtal. Schwierig wird es hier nur mit den Übernachtungsmöglichkeiten. Kaum eine Wiese ist ungenutzt und bietet genügend Futter für zwei Tiere. In Fischerbach wird gefragt, wo es evtl. einen Platz gibt – Mitkommen, da hinten ist ein Pferdestall.
Wieder haben wir Glück und sind an eine nette, hilfsbereite Stallgemeinschaft geraten. Eine Weide für Pferd und Muli, ein Zeltplatz für uns und eine rundum Verpflegung für das leibliche Wohl von Mensch und Tier, was will man mehr.
Unterwegs mit Pferd

Aber Geld braucht man doch auch ?!

Wir brauchen nicht sehr viel und das was wir unterwegs brauchen beziehen wir nicht von der hohen Kante. Also geht es das erste Mal seit Tourbeginn in die Stadt um mit Gitarre und Querflöte ein paar Euro zusammenzuspielen. Haslach heißt das kleine Städtchen und die Begrüßung fällt schon mal vielversprechend aus. Vor dem Rathaus haben wir einen guten Anbindplatz gefunden, als uns eine Stimme aus einem Fenster über uns erreicht. ‚Herzlich Willkommen in Haslach‘, die Sekretärin des Bürgermeisters streckt den Kopf heraus und fragt ob sie uns einen Kaffee herunterbringen soll. Da sagen wir natürlich nicht nein und sie kommt mit einem Tablett herunter. Eine offizielle Genehmigung zum Musik machen gibt es noch obendrauf und die Reisekasse bleibt auch nicht leer.

Die Tiere öffnen oft die Herzen der Menschen

Wir sitzen auf einer Schaukel vor einer Gaststätte am Langenhard oberhalb von Lahr, als eine ältere Dame herauskommt. Das Strahlen in ihren Augen ist von Weitem erkennbar. Sie kommt auf uns zu, stellt sich höflich mit ihrem Namen vor und fragt, ob sie sich auf die noch freie Schaukel zu uns setzen darf. Es stellt sich heraus, dass die Frau über 70 Jahre alt ist. Sie ist körperlich topfit, lebt aber in einem Haus für Betreutes Wohnen. Sie schaut die Tiere an und es scheint fast, als würde sie sich in einem wunderschönen Traum befinden. Ihr verstorbener Mann sei mit ihr früher oft in die Berge zum Wandern gegangen und wenn sie das hier so sieht könne sie jetzt getrost sterben. Als wir aufpacken und weitergehen läuft sie noch ein Stück mit bevor sie eine andere Richtung einschlägt.

Besuch bei Dietmar und Midori Obert

Eigentlich wollten wir ja vom Langenhard direkt runter nach Lahr, aber Norbert erinnert sich, dass nicht weit weg Dietmar und Midori Obert wohnen, die er schon vor einiger Zeit im Internet aufgestöbert hatte. Im Sommer 2013 sind sie mit Pferd Gina von Deutschland über die Schweiz nach Italien gewandert. Eine mehrmonatige Alpenüberquerung,Dietmar Obert die ihnen so leicht keiner nachmacht. Da ist ein Besuch der beiden in Wallburg natürlich unumgänglich. Wir genießen einen wunderschönen Tag mit interessanten Gesprächen und leckerem Essen.

Unsere Vorstellung, dass Dietmar und Midori die ständig mit dem Packpferd unterwegs sind traf nicht zu. Eine einmalige Sache, inspiriert von einer Begegnung mit einem Packesel, sollte die Alpenüberquerung mit Packpferd sein. Die beiden hatten vorher noch nie mit Pferden zu tun. Hut ab, kann man zu der erbrachten Leistung nur sagen.

Die Vorstellung ihrer Live-Reportage über die Reise hinterlässt mit faszinierenden Bildern und tollen Geschichten einen bleibenden Eindruck. Wer sich diesen wunderschönen Vortrag auch gerne ansehen möchte, kann sich hier vorweg schon mal den tollen Trailer ansehen und sich über kommende Termine schlau  machen.

Am Morgen verabschieden wir uns von den beiden und laufen durch die Rheinebene nach Kappel-Grafenhausen. Von dort soll es Tags darauf zur Fähre gehen, die nach Rhinau in Frankreich fährt. Am Dorfrand gibt es eine kleine Wiese wo wir unser Zelt aufschlagen. Unweit davon stehen zwei Poitou Esel, deren Besitzerin noch zu uns kommt. Wir brauchen einige Dinge, im Dorf gibt es jedoch keine Einkaufsmöglichkeit. Die Frau ruft kurzerhand ihren Mann an, der mit mir zum Einkaufen fährt.
Die Hilfsbereitschaft der Menschen hier ist überwältigend!

Umweg mit positiven Folgen

Auf nach Frankreich heißt es jetzt, zwei Kilometer sind es noch bis zur Fähre und dann nur ein kurzes Stück über den Rhein. Atlanta hat schon öfter problemlos einen Fluss per Pferd wandern FrankreichSchiff überquert, doch heute sollten wir Pech haben. Pferde die nicht in einem Anhänger sind dürfen nicht auf die Fähre. Es sei zu gefährlich, meint der Fährmann und er lässt sich nicht zu einer Ausnahme überreden.Wir entscheiden uns stattdessen die Rheinbrücke bei Sasbach zu nehmen, ca. 20km entfernt. Noch immer hat es über 30 °C und große Teile des Weges müssen wir in der prallen Sonne laufen.
Gegen Mittag machen wir Pause, damit Pferd und Muli fressen können. Dann geht es weiter. Nach kurzer Zeit laufen wir an einer schönen Wiese vorbei und Norbert meint, dass wir hier gut bleiben können. Ich habe die französische Grenze im Kopf, die wir doch eigentlich schon längst passiert hätten und will heute noch ein paar Kilometer mache. Also laufen wir weiter. Doch mit ein paar Kilometern ist es nicht getan. Wir finden keinen geeigneten Platz, die Mücken sind aggressiv wie nie und die Sonne brennt erbarmungslos auf unsere Köpfe. Wir sind schon an der Brücke rüber nach Frankreich und keine Wiese in Sicht. An einem Bach ganz in der Nähe soll es genügend Gras geben, meint ein Mann und erklärt den Weg. Unweit der Straße finden wir einen Platz und schlagen müde unser Lager auf.

Am nächsten Morgen haben wir unsere Sachen schon zusammengepackt, als ein Auto zu uns fährt. Es ist ein Förster, er steigt aus, schaut uns kritisch an und meint ob wir wüssten, dass es illegal sei hier im Naturschutzgebiet zu übernachten. Übernachten? Nein, wir haben hier nur kurz abgesattelt und laufen gleich weiter, etwas illegales würden wir doch nie tun. Er ist mit dieser Antwort zufrieden und fährt weiter.

Jetzt geht es über den Rhein. Uns ist etwas flau im Magen, da wir über eine stark befahrene Brücke müssen. Es ist kaum Platz, nur streckenweise ist ein schmaler Gehweg vorhanden, große Lkws brettern über den Asphalt und mitten drin dröhnt ein lautes Wasserkraftwerk.
Die erfahrene Atlanta kümmert das wenig, Muli Sunny sind die großen Lastwagen jedoch nicht wirklich geheuer. Es gibt nur diesen Weg und wir laufen los. Lkw um Lkw rast an uns vorbei, aber Sunny bleibt cool und wir kommen heil am anderen Ufer auf französischer Seite an.

Nächste Station ist Marckolsheim. Gleich am Ortseingang steht ein großes Schild am Straßenrand. Ein Pferdestall, super Atlanta kann etwas Kraftfutter vertragen. Norbert fragt und wir werden gleich hereingebeten. Es sind zwei Boxen frei und wir können die Tiere absatteln und in Ruhe fressen lassen. Lysiane und Steeve sind super gastfreundlich und Frankreichtour Pferdwir dürfen über Nacht bleiben. Am nächsten Tag fragen wir nach, ob es möglich ist noch einige Tage zu bleiben. Wir wollen den Tieren eine längere Pause gönnen, das Thermometer steigt immer noch über 30 °C und wir sind froh eine schattige und vor allem stechmückenfreie Bleibe zu haben. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit unsere Sättel mit einem neuen Polster zu versehen. Das verarbeitete Schaffell eignet sich nicht wirklich. Besonders auf eine Problematik mit diesem Material wären wir nie gekommen. An einem Abend im Wald tummelten sich plötzlich etliche Schmeißfliegen um den Packsattel. Wir dachten uns nichts dabei, erlebten am nächsten Tag aber eine böse Überraschung. Die Fliegen hatten innerhalb kürzester Zeit tausende von Eiern in das Schaffell gelegt. Das Herausbürsten war fast unmöglich, da sie mit einer klebrigen Flüssigkeit im Fell klebten.
Ein spezieller Schaumstoff scheint uns daher besser geeignet. Während wir hier in Marckolsheim auf unsere Bestellung warten helfen wir bei der täglichen Stallarbeit mit. Nicht nur Pferde werden hier gehalten, auch Ziegen, Hunde, ein Kalb und ein Lama (fast alle aus dem Tierschutz) genießen hier ihr Leben.
Das neue Polster für den Packsattel ist angebracht und es geht von Marckolsheim aus weiter in Richtung Vogesen. Dank den netten, hilfsbereiten Leuten hier sind wir nun alle wohlgenährt und mit neuen Karten, frisch gewaschener Kleidung und Proviant bestens für den Weg gerüstet.

                    Kühe, Comté und kein Café                     

Doch schon nach einigen Kilometern am Rhein-Rhone-Kanal müssen wir den ersten Zwangsstopp einlegen. Der Weg geht auf der anderen Seite des Kanals weiter und es führt nur ein sehr schmaler Übergang hinüber. Die seitlichen Packtaschen werden abgepackt und dann geht’s rüber. Also mit Atlanta geht es rüber, das Muli stellt auf stur und weigert sich über das Gitterrostgestell zu gehen. Jetzt ist Norberts Geduld und Überzeugungskraft gefragt. Die sonderbare Szene lockt eine junge Familie aus dem benachbarten Haus. Sie fragen nicht viel sondern helfen gleich. Brot für das Muli und Bier für uns.Tour mit Packtier

‚Mit genügend Bier wird die Sturheit eines Mulis bis zum gewünschten Erfolg mit Gelassenheit hingenommen.‘

Nach einer guten halben Stunde ist dann auch der Sturkopf auf der anderen Seite und wir können weiter. 3½ Kilo bzw. 7 Bier schwerer (wer weiß was noch alles kommt) verabschieden wir uns und ziehen beschwingt weiter.

Kurzer Abstecher in die Vogesen

Packpferd FrankreichÜber Eguisheim geht es in die Vogesen. Hier ist es ganz anders als im Schwarzwald, irgendwie wilder und ein wenig mystisch. Die Wege sind abenteuerlich, teils schwierig mit einem so schweren Pferd wie Atlanta.
Die Landschaft hier ist schön, die Städte und Dörfer hingegen weniger. Entweder ist alles wie ausgestorben oder von Touristen überschwemmt. Zerfallene Hotelgebäude und viele leerstehende Häuser erzählen von einer besseren Zeit.
So ist es hier schwierig für uns. Wir fallen nicht unter die touristische Zielgruppe und haben teilweise das Gefühl eher lästig als willkommen zu sein. Hoch auf Col de la Schlucht und dann weiter zum Honeck führt uns unser Weg. War es in den letzten Wochen teils unerträglich heiß, zieht hier oben ein eisiger Wind und düstere Wolken über uns hinweg.

Es ist schwierig eine Wiese für die Tiere zu finden. Kuhweiden so weit das Auge reicht, eine Ferme Auberge an der anderen. Die Wanderwege führen meist durch diese großen Weideflächen. Zaun auf, Zaun zu heißt es für uns also, teilweise sind ausgezeichnete Wege nicht passierbar, natürlich, wer denkt in unserer heutigen Zeit noch an ein Pferd als Fortbewegungs- und Transportmittel?

Nachdem es auch auf dem weiteren Weg etliche Stacheldrahtzäune zu überwinden gilt, ist unser Entschluss schnell gefasst, wir wollen nicht länger hier oben bleiben, sonder sehen zu, dass wir schnellstmöglich die Vogesen hinter uns lassen.
Über Wildenstein geht es an der Thur entlang nach Thann hinunter. In Kruth legen wir eine kleine Pause ein. Eine ältere Dame kommt neugierig um die Ecke gelaufen, so etwas sieht man nicht alle Tage. Sie freut sich über diese Begegnung, es sei nicht immer schön hier mit den Touristen meint sie, viel Verkehr und Dreck und die meisten Einheimischen haben nichts davon. Sie geht nach einem netten Gespräch zurück in Ihr Haus, kommt aber wenig später noch einmal. Einen selbstgebackenen Kuchen hat sie mitgebracht, zwar ist er noch gefroren, aber bis heute Abend müsse er gar aufgetaut sein. Es gibt sie also doch noch, die Menschen, die sich freuen und einem etwas mit auf den Weg geben! Der Kuchen schmeckt vorzüglich und Kruth bleibt uns dank dieser schönen Begegnung in guter Erinnerung.

Kurz vor Thann treffen wir auf den richtigen Mann. Jean Marc, er bietet uns seine nahe gelegene Wiese an und bringt uns auch direkt dort hin. Er selbst hat Ardenner mit denen er im Wald gearbeitet hat und einen Esel. Die Ardenner gingen aber vorzeitig in den Ruhestand, da das Holzrücken zu schlecht bezahlt wurde.

Tote Hose

Sundgau heißt die Region vor Montbeliard. Auch hier ist es um die gemütliche Atmosphäre der Dörfer eher schlecht bestellt. Eine Bäckerei oder ein nettes Café für eine Pause findet man hier nicht, bestenfalls einen Baguette-Automaten. Ich hoffe es wird bald besser, unter Frankreich hatte ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt.
Auch an das Musikmachen ist seit wir auf französischem Boden sind nicht zu denken. In den meisten Städten ist Fußgängerzone ein Fremdwort, der Verkehr hat hier das sagen. So sieht es für unsere finanzielle Lage bisher eher schlecht aus. Dazu kommt, dass die Lebensmittel hier recht teuer sind. Außer für Käse und Wein zahlt man oft wesentlich mehr als in Deutschland.

Old-Style-Orientierung

Wir brauchen Kartenmaterial, von Montbeliard ist nur noch ein kleines Eckchen auf der aktuellen zu sehen. Ja, wir sind noch altmodisch unterwegs und laufen nach der guten alten Karte. Nach GPS oder einer App zu laufen haben wir uns schon überlegt, verwarfen den Gedanken aber schnell wieder. Da es für uns keine festgelegte Route gibt es ist schöner wenn man eine Landkarte vor sich ausbreiten kann um sich einen Überblick der Landschaft zu verschaffen. Mit einem kleinen Display geht das nicht, also bleiben wir bei der Karte.

Wir laufen also bis an den Rand von Montbeliard und beschließen, dass Norbert hier am Stadtrand mit den Pferden wartet. Weiße Entscheidung kann man nur sagen. Eine halbe Ewigkeit habe ich gebraucht um letztendlich mit dem Bus ins Zentrum zu gelangen um dann festzustellen, dass hier montags die meisten Läden erst um 14 Uhr aufmachen (es ist gerade mal 11 Uhr). Also wieder raus mit dem Bus um später noch einmal zu kommen. Den Wochenbeginn gehen die Franzosen eben etwas gemächlicher an.
Am Nachmittag haben wir dann unsere Karten und können weiter.

Hier wird geholfen

Es scheint als hätten wir das schlimmste hinter uns, irgendwie sieht es plötzlich freundlicher aus und wir werden auch direkt eingeladen. In Abbevillers hält ein Arzt mit dem Auto an und meint wir können über Nacht bei ihm bleiben. Diese Einladung nehmen wir natürlich gleich an und bekommen noch ein Abendessen und Frühstück am nächsten Reisen mit PferdMorgen dazu. Auch er meint, dass das Leben hier in Frankreich nicht immer einfach ist, besonders viele Ärzte ziehen es hier im Grenzgebiet vor in der Schweiz zu arbeiten. Die Löhne sind dort erheblich höher, besonders auf dem Land fehlen diese Ärzte jedoch in Frankreich.

Zwei Dörfer weiter soll es einen kleinen Einkaufsladen geben. Es ist schwierig hier auf dem Land etwas zu bekommen. Wie überall sind die meisten kleinen Geschäfte den riesigen Supermärkten der Städte zum Opfer gefallen. Wir brauchen Hundefutter und Wasser. Eigentlich fragen wir nach normalem Leitungswasser, hier kauft man jedoch lieber ein paar Flaschen. Da sich das Grundwasser hier ziemlich nah an der Erdoberfläche befindet, versetzt man es besonders in den warmen Monaten sicherheitshalber sehr stark mit Chlor und das schmeckt dann so wie das Wasser im Schwimmbad.

Leider hat der Laden gerade heute geschlossen. Doch wie gesagt, die Gegend hier ist besser, es sind Leute auf der Straße unterwegs und helfen. Ein Straßenarbeiter der gut Englisch spricht dreht uns kurzerhand einen Wasserhydranten der Feuerwehr auf und eine Frau bringt uns einen Sack Katzenfutter. So kommen wir auch ohne Supermarkt weiter (auch wenn es wieder ‚Schwimmbad-Wasser‘ gibt).

Grüne Wiesen und nette Bauern

Reisen mit PackpferdWir sind jetzt im Departement Doub unterwegs. Eine wunderschöne, sehr ruhige und ländliche Gegend. Die Region nennt sich Franche-Comté und wie es der Name schon verrät kommt hier der berühmte Comté-Käse, sowie die Pferderasse Comtois her.
Auf herrlichen Wegen macht das Herumziehen wieder Freude und wir finden eine schöne grüne Wiese für die Nacht. Man sieht, dass diese Wiese gut gepflegt ist und sie wahrscheinlich nochmal gemäht wird. Eine heikle Sache hier einfach so die Tiere angepflockt am Rande grasen zu lassen. Wir binden Pferd und Muli zunächst am Baum fest und warten die Dämmerung ab. Es wird dunkel und das Essen ist fertig. Norbert pflockt Atlanta und Sunny auf der Wiese an und wir hoffen auf eine ruhige Nacht. Doch kaum dass wir den Löffel in der Hand halten, tauchen aus der Dunkelheit zwei Scheinwerfer auf und der Bauer kommt angefahren – oh shit, wenn das mal keinen Ärger gibt. Norbert geht ihm direkt entgegen und fragt auf französisch ob er deutsch spreche. Zur Verwunderung spricht er ein sehr gutes Deutsch, es ist ein junger Schweizer, der hier auf französischer Seite Land für seine Kühe gepachtet hat. Es gibt Gott sei Dank keinen Ärger und er hat kein Problem damit, dass wir die Tiere hier fressen lassen. Ganz im Gegenteil, er freut sich so sehr in dieser einsamen Gegend einmal Menschen zu treffen mit denen er sprechen kann. Das dürfte auch der Anlass dafür gewesen sein, dass er alle Fragen mehrmals wiederholte, um die Unterhaltung letztendlich in dreifacher Auflage möglichst lange genießen zu können. Es ist schon lange Nacht und das Essen kalt als er sich verabschiedet und weiterfährt um nach seinen tragenden Kühen auf den anderen Weiden zu schauen.

Comté, der französische Käsegenuss

Weiter geht es nach St. Hippolyte und Trévillers wo wir auf Lilli treffen, die uns helfen will einen Schlafplatz zu finden. 
Lilli hat einen Freund ein paar Kilometer entfernt, dort können wir sicher eine Nacht bleiben.
Für heute sind wir aber genug gelaufen und wollen hier an einem See übernachten, aber morgen nehmen wir ihr Angebot gerne in Anspruch.

Am nächsten Morgen geht es also hoch nach Urtiere. Es ist nicht schwer Samuel zu finden, es gibt hier oben nur ein paar Höfe. Auch wenn er nur Französisch spricht und wir dafür kaum, klappt es irgendwie immer mit der Verständigung. Samuel hat auf seinem Hof 40 Milchkühe und produziert hier die Milch für den Comté. Es darf nur Gras und Heu gefüttert werden, Silofütterung ist nicht erlaubt. Norbert lässt es sich nicht nehmen am Abend beim Melken zu helfen. Später kommt Lilli und einige weitere Leute und es gint feinste französische Musik auf dem Knopfakkordeon.
Touren mit Packtier

Die Tiere bestimmen den Weg

Tags drauf ziehen wir bei Regen weiter hinunter nach Goumois. Eigentlich wollen wir von hier den GR5 an der Grenze entlang gehen, aber daraus wird nichts. Hier gibt es keine Wiesen für die Tiere und bei diesem Regen sind die oft schwierigen Pfade zu rutschig. Nach einem kurzen Wegstück raus aus Goumois schlagen wir das Zelt kuzerhand direkt am Wanderweg auf und binden Tiere an einen Baum, bei diesem Wetter wird hier wohl kaum jemand wandern. Nur wo bekommen wir jetzt etwas fressbares für die Tragtiere her? Eine Kuhweide nebenan bietet die Antwort. Eine Heuraufe ist gut gefüllt und wieder wird die Dämmerung abgewartet, damit wir ungesehen unter dem Stacheldraht an das Heu kommen um etwas für uns abzuzwacken.

So passiert es uns immer wieder einmal, dass wir einige Kilometer umsonst laufen und einige Umwege in Kauf nehmen um genügend Futter für Atlanta und Sunny zu finden und ungeeignete Wege zu umgehen. Ohne Tiere wäre eben alles viel einfacher, aber eben auch nicht mehr das was es ist!

Von Goumois aus kämpfen wir uns auf matschigen Wegen also wieder den Berg hoch nach Damprichard. Am Sportplatz gibt es eine schöne Wiese um eine Pause zu machen. Zwei Frauen schauen aus dem Fenster des Nachbarhauses. Mutter und Tochter, sie kommen aus dem Haus und wir werden zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Obwohl es erst früh am Mittag ist, kommen wir heute nicht mehr weiter. Sebastian spendiert noch einen Schnaps und fährt mit mir zu einem nahegelegenen Pferdestall um Kraftfutter zu besorgen. Da hat man doch schnell die unnötigen Kilometer im Matsch vergessen ;-). Über den Wein von Sebastian freut sich besonders Norbert, die erste Flasche die wir in Frankreich bekommen. So groß wie die Freude ist dann leider auch die Enttäuschung, als wir den 1995er entkorken. Er hat die Jahre nicht gut überstanden und wir müssen ihn wegschütten.

Unser Weg führt uns über Le Russey und Les Fins nach Morteau und weiter an den Lac de St.Point. Die heißen Tage sind nun wohl erstmal vorüber. Die kleinen Wanderwege verlaufen oft über 1000 Meter in einsamen Gegenden durch das französischen Jura. Hier weht meistens ein eisiger Wind und die ersten Frostnächte haben wir auch schon hinter uns. Ein geschützter Platz im Wald und ein kleines Feuer ist dann genau das Richtige um die kühlen Abende dennoch zu genießen.Unterwegs mit dem Packtier

Hier draußen vergeht die Zeit anders, nicht etwa schneller oder langsamer, sie spielt eine andere Rolle. Es gibt keine festen Termine, keinen Wochenplaner, keine fixen Arbeitszeiten und festgelegte freie Tage. Es gibt einen Rhythmus, der durch die Jahreszeiten und die Bedürfnisse der Tiere bestimmt wird. Hierbei spielt es aber keine Rolle ob es Montag oder Mittwoch, ob Feiertag oder Wochentag ist, wenn es dunkel wird, wird es dunkel und damit Zeit zum ins Zelt krabbeln. So kann es sein, dass wir vor verschlossener Ladentür stehen und spätestens dann wissen, dass es Sonntags ist ;-)

Morgens freut man sich dann richtig auf das Warmlaufen und nach fünf Wochen Frankreich finden wir in Mouthe sogar mal ein Café in dem wir uns bei einer Tasse Espresso aufwärmen können. Immer dem GR5 entlang kommen wir nach Bellefontaine. Norberts Schwester Barbara ist gerade in Frankreich unterwegs und hat einen Besuch angekündigt. Sie lebt eigentlich in Australien und will sich ein Treffen daher nicht entgehen lassen. In der kleinen Ortschaft La Mouille hat sie sich mit Lebensgefährte Jon in ein Haus eingemietet und würde uns gerne zum Essen einladen. Aber da sind eben noch Pferd und Muli, wohin mit den beiden? Im Garten gibt es nicht viel Platz und kaum Gras. Doch auch hierfür findet sich eine Lösung. Thomas der Hausbesitzer organisiert einen Ballen Heu und im Garten findet sich neben dem Haus-Schaf noch ein Platz für die beiden. Unter dem Trampolin ist ein idealer Platz für unsere Sachen und das Bett für die Nacht. So können wir in Ruhe einen gemütlichen Abend mit Barbara und Jon genießen.


                               Dumm gelaufen                              

Bevor es weitergeht gibt es noch Frühstück mit Barbara und John im warmen Haus. Draußen regnet es und es sieht nicht so aus als würde es heute noch aufhören. Es ist das Unangenehmste wenn man im Regen seine Sachen zusammenpacken muss, im Regen das nasse Pferd sattelt um dann den ganzen Tag bei diesem trostlos nassen Wetter zu laufen.
C’est la vie, denke ich dann nur und ziehe die Kapuze tiefer ins Gesicht. Longchaumois heißt die nächste Ortschaft. Hier stehen wir nun im Regen und überlegen was wir tun. Ein Stall wäre jetzt genau das richtige, aber die sind hier Mangelware und in unserer Karte ist weit und breit keiner verzeichnet. Ich studiere nochmal die Informationstafeln vor denen wir Atlanta und Sunny angebunden haben und entdecke ein kleines Häuschen mit einem Hufeisen. Die Legende verrät, dass es sich um eine ‚Gîte d’étape et équestre‘ handelt, also ein Stall wo Pferd und Reiter unterkommen können.

Stall im Wald

Frankreich Trekking PferdEs sind noch gute fünf Kilometer und wir machen uns auf den Weg. Es geht den Berg hoch und dann in den Wald. Der Weg scheint zu stimmen, immer wieder begegnet uns ein Centre équestre-Schild. Der Wald wird immer dichter, die Wege kleiner und der Regen lässt nicht nach. Je tiefer der Weg in den Wald führt, desto komischer kommt es uns vor. Hier soll noch ein Pferdestall sein? Kaum denkbar, man erwartet höchstens eine Waldhütte. Nach den sich endlos anfühlenden fünf Kilometern stehen wir plötzlich vor einem alten Gebäude. Das muss es sein, aber wo ist hier der Stall und vor allem wo die Pferde? Einzig der Elektrozaun um das Grundstück und das Schild mit Pferd lässt darauf schließen, dass wir wirklich richtig sind. Es ist schon dämmrig und außer zwei riesigen Mastiff-Hunden niemand zu sehen. Norbert geht zum hinteren Teil des Gebäudes wo ein großes Tor ein stückweit offensteht. Er geht hinein und hört hinter einer weiteren Tür eine Frauenstimme. Eine kleine Frau öffnet nach dem Anklopfen die Türe. Wie sie uns später erzählte hatte Aline in diesem Moment etwas Angst. Die Hunde hatten nicht gebellt und plötzlich steht im Halbdunkel dieser bärtige Mann mit Hut vor der Türe. Nach erster Unsicherheit erkennt Aline jedoch die Situation und wir können bleiben. Die Tiere können wir um das Haus herum laufen lassen, für uns gibt es ein schönes Zimmer mit allem was man sich bei einem solchen Sauwetter nur erträumen lässt. Wir bleiben drei Tage und die anfängliche Unsicherheit ist schnell einer herzlichen Gastfreundschaft gewichen. Zusammen mit ihrem Mann Serge wohnt Aline hier mitten im Wald, ihre 18 Pferde stehen weiter weg auf hektargroßen Weiden. Sie bietet geführte Ritte durch das wunderbare Jura an.

Die Einladung bei einem kleinen Ausritt mitzugehen neheme ich gerne an, bin ich doch schon ewige Zeit nicht mehr auf dem Pferd gesessen. Auf ‚Blue-Light‘ geht es durch wandern mit Hundmärchenhafte Wälder, die mit ihren moosüberzogenen Felsen oft einer Fantasyfilm-Kulisse gleichen.
Währendessen hat unser Labrador Coco nichts besseres zu tun als dem 85 kg schweren Mastiff ‚Paddabuff‘ den Napf zu leeren, was er jedoch schnell mit einem Loch in der Brust büssen muss.

Am Abend erwarten Aline und Serge Besuch von Freunden, wir werden kurzerhand auch eingeladen und genießen einen wunderschönen Abend mit echter französischer Genusstradition.
Der Abschied am nächsten Tag fällt uns trotz Sonnenschein ein wenig schwer. Mit Käse, Wein, Brot, Pferde- und Hundefutter im Gepäck verabschieden wir uns und ziehen Richtung St.Claude.

Kugelschreiber und Schneekugeln

St.Claude ist die Partnerstadt von Rottenburg am Neckar, von wo aus wir gestartet sind. Eine e-Mail an das Rathaus, in der wir unseren geplanten Besuch ankündigten blieb jedoch unbeantwortet. Dennoch wollen wir der Stadt eine Besuch abstatten. Aline hat einem Freund im Rathaus angerufen, wir werden heute Morgen also erwartet. Als wir in der Stadtmitte die Tiere parken und sich Norbert im Tourismusbüro erkundigt, scheint es so, als würde unser Besuch niemanden interessieren. Außer einem schnellen Foto für Facebook kann man hier anscheinend nichts mit uns anfangen. Es regnet wieder einmal und wir sind schon ziemlich nass vom dummen Rumstehen.
Wir wollen jetzt so schnell als möglich raus aus dieser nicht besonders schönen Stadt. Doch wir kommen nicht weit. Ein Auto hält an, ein Mann steigt aus und versucht uns etwas auf französisch zu erklären. Es dauert eine Weile bis ich verstehe, dass es Alines Freund ist. Eine Frau von der Zeitung kommt zufällig dazu, sie spricht perfektes Deutsch. Wir sollen mit ihnen zurück zum Rathaus gehen. Eigentlich haben wir keine Lust länger hierzubleiben, wir drehen dennoch um. Wir stellen uns unter den Torbogen des Rathauses und beantworten die Fragen der Reporterin. Ansonsten scheint es nicht wirklich jemanden zu interessieren, dass wir hier sind. Die meisten Mitarbeiter inkl. Bürgermeister sitzen in einer Besprechung. Naja, wenigstens bekommt jeder von uns noch einen Kugelschreiber, einen Touchpad-Stift und eine Schneekugel in die Hand gedrückt. Kann man sicher unterwegs gut gebrauchen ;-)

Tage wie diese

Wir schauen dass wir endlich aus St.Claude rauskommen. Die Stadt liegt unten in einem Kessel und wir müssen kilometerweit steil den Berg hoch. Es nieselt ununterbrochen saumpferdund die hohe Luftfeuchtigkeit treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Oben angekommen sind wir völlig durchnässt, von außen und innen. An Tagen wie diesen fragt man sich warum man das alles eigentlich macht. Es regnet, es ist grau und dunstig, alles ist nass, man steht mitten im Wald, hat keine Unterkunft und keine Möglichkeit bei dieser Nässe eine erholsame Pause einzulegen. Da gibt es nur eins, auf die Zähne beißen und weiterlaufen!
Als wir endlich den Wald hinter uns gelassen haben, sehen wir neben einigen Kuhweiden auch Pferde stehen. Wir laufen zu einem der Häuser um zu fragen wem die Tiere gehören und treffen auf zwei Handwerker die gerade dabei sind eines der Gebäude zu renovieren. Tatsächlich gehören die Pferde einem der beiden. Er hat ein Haus wo wir bleiben können. Super, wir freuen uns schon auf einen Stall, Kraftfutter für die Pferde und eine warme Stube. Er läuft mit uns mit und schnell wird uns klar, welches Haus gemeint ist. Kein Strom, kein Wasser meint er noch – es ist das alte, schon halb zerfallene Gebäude, das wir schon von weitem gesehen haben. Egal, wir sind mehr als froh ein Dach über dem Kopf und Wiese für die Tiere zu haben, das ist die Hauptsache.

Kennst du Stetten am kalten Markt?

Es hat die ganze Nacht über geregnet, doch am Morgen sieht es nach besser Wetter aus. Es geht nach Les Bouchoux, einem kleinen Dorf auf 950 Meter Höhe mit gerade mal um die 300 Einwohnern. Die Bar an der Kirche hat geschlossen, eine Frau meint aber irgendetwas von einer Épicerie, wir verstehen nicht wirklich was sie meint und wo das sein soll. Wir laufen weiter durch den Ort, direkt auf das kleine Gebäude mit der Aufschrift Épicerie zu. Es ist ein Lebensmittelgeschäft mit Bar. Ein Platz zum Anbinden von Pferd Wander Pferd Muli Eselund Muli gibt es auch, genau richtig also um sich einen Pastis zu gönnen.
Wir laufen auf den Laden zu als ein schwarzer Jeep die Straße herunterkommt und anhält. Ein Mann schaut sich interessiert die ungewöhnliche Szene an. Nachdem er ein kuzes Stück weitergefahren ist, dreht er jedoch um und parkt neben uns. Er steigt aus und kommt mit vollem Enthusiasmus auf uns zu. Er fragt woher wir kommen. Nein, Rottenburg sei ihm kein Begriff, aber ob wir Stetten am kalten Markt kennen. Wir sind mehr als verwundert. Woher kennt Jean-Luc Stetten am kalten Markt? Es stellt sich heraus, dass Norbert und Jean-Luc im selben Jahr und im selben Monat nach Stetten zum Wehrdienst kamen. Damals gab es hier eine französische Kaserne. Wahrscheinlich sind sich die beiden also schonmal vor 35 Jahren über den Weg gelaufen. Die Freude über diesen Zufall ist beiderseits groß und wir werden gleich zum Essen eingeladen. Vorher organisiert er jedoch noch Heu, Kraftfutter und eine Wiese für unsere Vierbeiner und den Pastis in der Bar lassen wir uns auch nicht entgehen.
Jean-Luc wohnt zusammen mit Frau Marie in einem Wohncontainer mit einem wunderschönen Chevrolet vor der Haustüre. Den restlichen Tag verbringen wir hier bei diesen herzlichen Leuten.

Ein Tag Sonne, ein Tag Regen

Tags drauf regnet es schon wieder in Strömen. Der ständige Wechsel von Sonne und Regen begleitet uns schon einige Zeit. Sobald die nassen Sachen halbwegs trocken sind, fängt es wieder an zu regnen.
Nach dem Frühstück kommen Jean-Luc und Marie noch mit uns mit. Trotz des schlechten Wetters und einer Beinprotese, die Jean-Luc nach einem Unfall in jungen Jahren trägt, laufen die beiden tapfer und voller Spaß gute vier Kilometer mit uns den Berg hinauf.
Wie erwartet folgt auf einen ungemütlichen Regentag ein sonniger Tag zum trocknen. So laufen wir im täglichen Wetterwechsel der Rhone entlang nach Süden.
Mit dem Pferd durch Frankreich

Nachdem wir wieder einmal einen ganzen Tag im Dauerregen unterwegs waren, wollen wir an einem Kuhstall nach einem Platz für die Nacht fragen. Ein Auto steht zwar davor, sonst lässt sich jedoch niemand finden, den man etwas fragen kann. Der Stall ist fast leer, nur zwei Ponys und eine Kuh stehen unter dem großen Dach und fressen Heu. Wir warten, irgendwann muss ja jemand kommen. Es dauert eine ganze Weile bis der Eigentümer um die Ecke kommt. Es ist für ihn kein Problem dass wir hierbleiben. Er setzt sich ins Auto und fährt davon. Es ist schon dunkel als eine junge Frau in den Stall kommt. Sie lädt uns ein mitzukommen, bei ihnen zu essen und zu schlafen. Wir laufen mit ihr in das kleine Dorf hinein. In einem alten Haus treffen wir den Stallbesitzer wieder. Alain betreibt neben ein paar Kühen einen Pferdehandel. Es wird reichlich aufgetischt während im Kamin ein wärmendes Feuer knistert. Als die Sprache auf die Karaokeanlage im Zimmer fällt, heißt es Alain könne singen wie Johnny Hallyday, der französische Elvis. Das wollen wir natürlich hören und so werden den restlichen Abend französische, deutsche und englische Hits zum Besten gegeben.

Dumm gelaufen

Überraschungen erleben wir hier draußen ja ständig, aber damit, dass uns gerade Sunny einen Strich durch die Rechnung macht, hätten wir zuletzt gerechnet. Die Mulistute ist das erste Mal auf einer solchen langen Tour dabei und hat die ersten Wochen gut mitgemacht. Seit einiger Zeit scheint es aber so, als hätte sie keine Lust mehr am Herumziehen. Waren LKWs, Busse und Traktoren nie ein großes Problem für sie, springt sie nun je nach Tagesverfassung schon bei Lieferwägen auf die Seite. Sunny macht sich zunehmend selbst Stress und der Spaß für Tier und Mensch bleibt immer mehr aus. Nachdem sie sich im Verkehr losgerissen hat, fassen wir den Entschluss die Reise hier abzubrechen. Es ist einfach zu gefährlich, müssen wir doch des öfteren ein Stück an einer stark befahrenen Straße entlanglaufen. Einen Unfall bei dem möglicherweise jemand zu Schaden kommt, wollen wir nicht provozieren. Ein Transport zurück nach Rottenburg wird organisiert und wir beenden in der kleinen französischen Ortschaft Chimilin, 50km vor Grenoble unsere Tour.
Nun organisieren wir uns erstmal neu. Sunny werden wir in gute Hände abgegeben, wo sie eine andere Lebensaufgabe hat, die hoffentlich besser zu ihr passt.
Dumm gelaufen, sagen wir und sind natürlich etwas traurig über das Ende unserer Frankreichtour. Jetzt kommt erstmal der Winter und dann werden wir sehen was das neue Frühjahr bringt.
Uns fällt sicher wieder etwas verrücktes ein ;-)


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