Die Reise einer ungewöhnlichen Frau - Reisen- Wandern mit dem Pferd Muli oder Esel

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Die Reise einer ungewöhnlichen Frau



2 Menschen, 2 Esel, 2 Hunde
 05.03.2018.  von Anita aus der Schweiz

Es ist ein gut durchdachtes und organisiertes Projekt. So gut wie es geht im Voraus, denn das
Abenteuer darf auch Platz haben. Die Gründe für den Entscheid sind vielfältig. Einmal ans Meer
zu laufen, langsam aber stetig, ist ein Wunsch, der aus tiefstem Herzen kommt.
Auf diese Reise bin ich mich seit
Monaten, ja sogar Jahren am Vorbereiten. Mit meinen Wochentouren habe ich das Material
optimiert und ganz nebenbei bemerkt, dass diese Art von Reisen mir absolut entspricht. Frei in
der Natur zu übernachten, unter dem Sternenhimmel dem Wetter trotzen egal wie heiss oder nass
es ist. 
Sorgfältig habe ich meine Ausrüstung ausgesucht und immer darauf geachtet, dass das
Gewicht und Volumen möglichst gering ist.
Meine grosse Versicherung ist Bernadette, eine liebe Eselfreundin, die mich und mein Trüpplein
mit dem Anhänger zurück holen wird, falls wir aus irgend einem Grund nicht mehr weiter kommen.
Nachdem ich nun 22 Jahre meine Familie von meinem Sebstversorgerhof in harter, schöner und
befriedigender Arbeit ernährt habe, nehme ich mir ab 15. April sozusagen eine Auszeit. Da ist der
grosse Tag des Abmarschs. Ab diesem Datum bin ich nicht mehr in der Schweiz angemeldet. Wir
wissen heute noch nicht, wie lange wir unterwegs sind, ob wir das Meer überhaupt erreichen und
welche Abenteuer auf uns warten.
Michael, mein Sohn hat noch nie ein Schulzimmer betreten, zumindest nicht als Schüler. Sein
Schulungsort ist die Welt. Er darf als Freilerner unterwegs sein, so lange bis er sich von Lehrern
unterrichten lassen möchte. Auch dieses Projekt ist lange durchdacht und studiert. Die ersten
Erfahrungen diesbezüglich, machte ich mit meinem mittleren Sohn, der eine kurze Zeit frei lernen
durfte. In dieser Zeit hat er seine schwächste Fähigkeit, das Lesen, mit voller Hingabe gefördert.
Sobald den Kindern der Druck genommen wird, blühen sie zu wahren Perlen auf. 


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17.03.2018

Nun ist alles bereit für unsere Reise. Die Vorbereitungen sind vollendet, so meine ich. Kurz vor dem Start, passiert dann doch noch ein Unglück.
An dem Tag, als wir das Fondue im Wald, mit Eselfreunden geniessen, legt sich Alicia kurz hin. Leider war der Packsattel noch auf ihrem
Rücken. Ein Seitenholm ist gebrochen.



Was nun, in 6 Wochen starte ich meine Tour. Ich habe bereits drei von vier Seitenholmen selber repariert. Seit Alicia athletischer ist, passt der Packsattel
auch nicht wirklich gut. Ich habe den Sattel von Atelier Cuire. Er ist sicher gut für kleine Touren oder Einkäufe im Städtli. Ich merke schon seit einiger Zeit, dass Alicia ihn auf langen Touren, nicht
mehr gerne auf dem Rücken hat.
So gebe ich einen Hilfeschrei an Norbert weiter. Er reagiert prompt, hatte bereits eine Vision vom defekten Packsattel und fährt sofort in die Schweiz. Mich überzeugt die schlichte Art vom Modell
Traveller. Man sieht, dass dieser Sattel aus der Erfahrung des Säumens entstanden ist. 
Schlicht, einfach, nichts zu viel und genau das was wir Trekking Säumer brauchen. Nun ist er fleissig an der Arbeit......
Ob das was wird? Ich bin guten Mutes und doch kann ich den Sattel nicht mehr richtig testen. 
Ein Sprung ins kalte Wasser, sozusagen.
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24.04.2018

Der Sprung ins "kalte Wasser" hat sich gelohnt.

Nun sind wir seit Freitag dem 13.4. unterwegs. 
Heute ist der 9. Tag unserer Reise. Morgen erreichen  wir den wahrscheinlich höchsten Punkt der vorgesehenen Wanderung. Der Chasseral mit seinen stolzen 1607 m.ü.M. Von meinem heutigen Lager aus sehe ich den Gipfel, noch mit Schnee bedeckt.

Das Packen mit dem neuen Packsystem von Norbert funktioniert. Alicia läuft sehr gut unter dem neuen Sattel. Er ist sehr durchdacht und die Erfahrung spricht aus diesem System. Ich bin richtig froh darüber.
Wir kommen  langsam aber stetig voran, was mir in dieser schönen Gegend, die wir gerade durchwandern sehr willkommen ist. Es gibt viel Interessantes zu sehen, so verweilen wir unter anderem an der Emme und sehen uns die Arbeit der Biber an.

Zum Einen ist der Weg das Ziel und zum Anderen weiss ich diese neue Art zu reisen sehr zu schätzen. Ich muss kein Ziel zu irgend einer Zeit erreichen. Denn mit dem ersten Schritt, den wir gemacht haben, ist das Ziel bereits erreicht, und wir können nach dem Lustprinzip weitergehen.

       



Der heutige Weg war ein auf und ab wandern, so wie während der ersten Tage meine Gefühle waren.
Erst seit dem vierten Tag bin ich wirklich entspannt. Wusste ich doch am Anfang noch gar nicht, ob uns das neue Packsystem passt. Da war auch der Abschied auf unbestimmte Zeit von meiner Familie.

Mir tut diese Auszeit sehr gut. Ich habe unterwegs wunderbare Gespräche mit netten Menschen. Zum Beispiel diese Frau die mir in Magglingen zurief, ob ich durch Burgdorf gelaufen sei. Ihre Freundin habe ihr erzählt von einer Frau mit Esel Hund und Kind. Wie ist doch die Welt klein.

Das Wetter spielt bis jetzt wunderbar mit. Wir erlebten erst eine Regennacht, die wir trocken unter einer Plane verbracht haben.

Meine Tiere machen super mit. Es sind tolle Esel, auf die ich mich absolut verlassen kann. Es ist eine grosse Freude mit ihnen durch die Welt zu ziehen. 

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09.05.2018


Mitteilung an Anita:

Hallo Anita und Deine Begleiter. 
Nach unserem Treffen an der Emme verfolgen mich immer die Gedanken an euer Abenteuer . Mein Mann der Jäger war auch fasziniert von Eurem Reisefieber. Nun wünschen wir tolle Erlebnisse alles Liebe und Gute, hoffe wir treffen uns irgend wo. 
Heits Guet u vieu Glück. 

Liebe Grüße us Rüegsou Therese und Paul.
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20.05.2018

Bereits Ende April sind wir von der Schweiz bei les Verrières nach Frankreich eingereist. Wir konnten die Grenze problemlos überschreiten, wahrscheinlich waren alle Zöllner in der Mittagspause.



Nun beginnen wunderbare Wanderwege durch den Haut Jura. Es ist paradisisch diese Natur zu durchlaufen. Kilometerweit Wälder und Felder.


Mein Schweizer Wanderplaner wählt wunderbare Wanderwege aus. Ich wusste anfänglich nicht, ob ich mit dieser App in Frankreich weiter kommen werde. Auf der digitalen Karte sind nicht alle Wege eingezeichnet wie in der Schweiz, doch die Routen die es mir angibt sind bis jetzt verlässlich.

Nach drei wöchiger Wanderung machen wir auf einem Zeltplatz bei les Thévinins Rast. Wir dürfen unsere Kleider mit der Maschine waschen und duschen..... Was für eine Wohltat. Meine Söhne und Freunde von zu Hause kommen zum Bräteln  (Grillen) auf Besuch.




Nach zwei Tagen laufen wir weiter. Nun ist die Gegend so wenig besiedelt, dass wir immer darauf achten müssen, wann und wo, für wieviele Tage wir unsere Vorräte einkaufen. Googel maps tut da gute Dienste. Wir sehen wo es Läden oder Restaurants hat, (diese sind immer dann geschlossen, wenn wir an ihnen vorbei laufen), und wann die Öffnungszeiten sind.



...Oh die Geschichte mit dem Bach und den Wanderwegen die zu reissenden Flüssen werden...

Als wir durch ein wunderbares Supfgebiet laufen, es ist von oben und unten nass. Da ist bereits der Wanderweg ein Fluss und dieser durchquert einen richtigen Bach, an normalen Tagen wahrscheinlich einfach zu passieren. Nun scheint das Wasser ziemlich tief. Ich entscheide mich, die Schuhe auszuziehen, tatsächlich kommt das Wasser bis zu den Knieen. Ich denke noch, wie kommen die Esel da rüber. Ich konnte nicht fertig denken, folgt mir Fiona bereits. Wenn Fiona kommt läuft auch Alicia. Nur der kleine Hund Chili musste ich noch seperat holen. Er wagte den Sprung ins kalte Wasser nicht. Es sind so tolle Esel. Die vier Jahre, mit täglichen Spaziergängen und allen möglichen und unmöglichen Hindernissen zahlt sich aus.
Nun folgen Regentage. Wir finden ein Dach über dem Kopf am Lac d’ante. Da bleiben wir vier Tage. Schnitzen uns Wanderstäbe und geniessen das nichts tun. 



Die Wanderung geht weiter durch Buchswälder. Nie zuvor habe ich solch einen märchenhaften Wald gesehen, so wunderschön und romantisch. Elfen, Zwerge und Trolle leben ganz sicher in ihnen.

 

 


Nach solchen Regentagen ist die Sonne ein besonders wohltuendes Geschenk. Wenn du dann noch auf einen Aussichtspunkt kommst, von dem aus du die ganze wunderbare Landschaft bei herrlichem Wetter überblicken darfst, weißt du, wofür du durch Kälte und Nässe gelaufen bist.


Der Blick auf die Ain ist atemberaubend. Wir steigen ab bis fast an das Flussufer. Immer wieder begegnen wir Menschen die uns einladen oder wir einfach nette Gespräche haben, wie bei euch in Rügsou ;-)

Wir lageren an einem einsamen Platz mit einer enormen Planzen- und Vogelvielfalt. Ein ideales Schulzimmer, für Michael. Wir sind nun den dritten Tag hier und geniesen das Leben in dieser faszinierenden Landschaft.


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06.06.2018


Nachricht von Schorsch:

 Hallo Norbert toller Reisebericht von der Mutter mit Kind und Eseln auf Tour - bitte mehr! Würde mich sehr freuen! Gruß Schorsch

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11.06.2018

Gedanken von Unterwegs

Seit ich denken kann, bin ich unter irgend einem Leistungsdruck. Entweder habe ich ihn mir selber auferlegt oder er wurde von Aussen gefordert. Ich konnte mich nicht wirklich entspannen. Aus den Medien werden dauern Manipulationen auf einen gerieselt. Im grossen weiten Netz musst du immer überlegen, was könnte der Wahrheit entsprechen und was nicht.
Dann beschliesst man eines Tages einfach los zu laufen, vieles hinter sich zu lassen. Anfänglich noch mit der Leistung im Vordergrund. So und so viele Kilometer pro Tag. Vielleicht rechnet man den Tagesdurchschnitt noch nach. Und dann wirst Du gezwungen Pause zu machen, sei es wegen dem Regen oder weil du Rücksicht nimmst auf die Hufe der Esel - und erwachst in der Realität. Plötzlich siehst du die Details, die wunderbaren Fazetten der Natur. Die vielen Vögel die da ihr Morgen- und Abendkonzert machen. Du merkst, dass die täglichen Kilometer keine Rolle spielen, es ist das SEIN das zählt.




Irgend etwas beginnt in deinem Herzen zu wachsen. Es ist die Knospe, welche zu blühen anfängt. Ich habe vorher schon die Vögel gehört, die Fazetten der Natur gesehen. Nur hat die Entspannung gefehlt. Es war immer eine neue Tätigkeit, die schon auf ihr Erledigung wartet. Vielleicht habe ich alles nicht mit dem Herzen wahr genommen.
Mit dem Herzen sehen und hören. Es hat mich schon oft wundergenommen wie das ist, ob ich das kann oder bereits mache. Leider war das meistens nicht so. Es ist die Blume, die noch nicht zum blühen gekommen ist, weil die Entspannung keinen Raum fand. Zeit und Raum beginnen zu verschmelzen, die Zeit ist nicht mehr relevant, du verlierst das Gefühl dafür. Es ist Morgen und anstelle, dass ich in den Stall zu den Eseln gehe, kommen sie zu mir an mein Lager und begrüssen mich.
Die Sinne werden noch wacher. Du riechst die Natur, die Veränderung der Wälder. Ich hatte schon immer eine gute Intuition, jetzt ist sie mir von grossem Wert. Ich kann mich auf meine Eingebungen voll verlassen, falls nicht, ärgere ich mich, habe ich nicht darauf gehört, weil dann irgend etwas passiert, was hätte verhindert werden können.
Die Gedanken werden viel klarer. Wie wenn ein Nebel aufsteigt und die Sonne am strahlenden Himmel scheint.
Michael lebt dieses sein noch viel intensiver als ich. Er ist dies bezüglich mein Lehrer. Jetzt nach sieben Wochen, ist die Routine beim Packen und Lagerplatz einrichten eingekehrt. Ein wunderbarer Rhythmus haben wir gefunden. Jeder Handgriff geht automatisch. Ich weiss genau wo was hinstellen, einräumen etc. Die Àmtli sind aufgeteilt. Das ist eine grosse Erleichterung. Wenn ich jetzt aus irgend einem von Aussen gegebenen Grund aufhören müsste, hätte ich sehr schwer damit.



Am Morgen werden wir vom Vogelkonzert geweckt und am Abend in den Schlaf gesungen. Die Esel kommen ans Lager und begrüssen uns sanft beschnuppernd.
Selbst bei Regentagen unter dem Tarp ist eine wohlige Gemütlichkeit Trumpf. Das Leben mit den Tieren und der Natur so nah, kann mit Worten gar nicht beschrieben werden. Die Worte bringen dieses intensive Gefühl des SEINS gar nicht zum Ausdruck.      



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Der Sattel

Mit meinem alten Holzsattel habe ich schon einige Touren hinter mir. Zum Einkaufen auf kleinen Strecken war dieser Sattel sicher ok. Er war angenehm zu bedienen und mit den Seitenlastgestellen gut zu beladen. Sobald ich angefangen habe mehrtägige Touren zu machen, hatte ich immer, wirklich bei jeder Tour, irgend ein Problem. Entweder ist ein Seitenlastgestell geborochen, weil sich Alicia irgendwo durchzwängen wollte oder das Brückengeländer doch ein Zentimer zu schmal war.
Es war ein ewiges gebastel und ändern. So habe ich zB die Trachten mit Holz unterlegt, damit die Freiheit des Wiederrist gewährleistet ist. Sie hatte immer wieder arge Druckstellen, an diversen Stellen. Bis die Tage kamen, an denen sie mir deutlich zeigte, dass sie diesen Sattel nicht mehr auf dem Rücken haben möchte.

Nun bin ich schon einige Wochen mit dem Traveler unterwegs. Alicia stellt sich jeden Morgen zum Satteln und Bepacken hin. Sie trägt die Last mit dem auf sie angepassten Sattel sehr gerne. Anfänglich hatte sie mit dem zweiten Bauchgurt Mühe, mittlerweile zuckt sie mit keiner Wimper mehr.

Das Bepacken alleine, auch mit relativ schweren Seitenlasten geht bestens. Der Sattel bleibt mittig auf dem Rücken. Das Grutensystem mit dem man die Taschen fixieren kann, ist leicht zu bedienen. Einzig die Taschen so weit nach oben zu heben, ist ein ordentlicher Morgensport. (selbstverständlich auch nach den Pausen). Mit der richtigen Technik geht auch das mittlerweile viel besser. Die Oberlast wird mit einem simplen Verzurrösensystem befestigt. Ruck - zuck hält die Tasche an Ort und Stelle. Ganz zu oberst befestige ich mein Solarpanel, damit ich meine Power bank für das Handy aufladen kann.

Durch die doppelte Bauchgurtung bleibt der Sattel auch bei einem Esel an Ort und Stelle. Nur an sehr steilen und langen Aufstiegen benötige ich das Vordergeschirr , so kann bei dem Gewicht, das meine Starke trägt, der Sattel nicht nach hinten rutschen. Das Hintergeschirr hat Alicia immer an. Es ist allerdings viel lockerer, als beim alten Sattel. Da musste ich immer arg anziehen, sogar bei Aufstiegen, weil sonst der Sattel nach vorne gerutscht ist.

Fazit: in den letzten sieben Wochen hat Alicia weder Druckstellen noch  Haarbruch bekommen, sie lässt sich gerne satteln und und läuft unter diesem Packsattel mit Freude. Ich kann diesen Packsattel allen von Herzen empfehlen.  Es lohnt sich für sein Tier,  auch für das kleine Gepäck einen angepassten Sattel machen zu lassen.


           
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04.06.2018

4. Juni

Auf einer Tour wie dieser läuft nicht immer alles rund. So bin ich Am Morgen des 4. Juni am Waldrand von Villefontaine aufgewacht und bemerke, dass Alicia das hintere rechte Bein extrem entlastet. An weiterlaufen ist nicht zu denken.

Cécile schaut täglich zu ihrem Vater, welcher an der Strasse vor dem Wald mit zwei Pferden und einem Esel wohnt. Bei ihen dürfen wir Heu, Stroh und Wasser holen. Sie haben eine Quelle, das geniesse ich sehr in Frankreich. Wasser aus dem Wasserhahn schmeckt hier in Frankreich oft sehr strark nach Chlor und ist für mich ungeniessbar. Ich bin sehr verwöhnt was Wasser angeht, zuhause habe ich selber Quellwasser.
Auch ein Tag später sieht das Bein nicht besser aus, obwohl ich es täglich behandle. 

oise kennen. Sie hat ein Haus auf der anderen Waldseite. Wir werden zu ihr eingeladen, können die Esel auf dem Wiesenstück vor dem Haus haben. So bleiben wir eine Woche bis Alicia’s Bein besser wird. Langsam belastet sie wieder. Wir unternehmen kleine Spaziergänge an naheliegende Teiche und geniessen das Baden.

Nach einer Woche verlasse ich Villefontaine, reich an wunderbaren Erlebnissen, reich an wunderbaren Bekanntschaften, sogar mit der Polizei habe ich bekanntschaft gemacht, weil Alicia ausgebüxt ist, sie wusste, dass am Strassenrand besseres Gras wächst. Das Bein ist noch nicht 100 % verheilt, Alicia belastet es allerdings wieder ganz normal. Ein Passant hat mir während der Woche in Villefontaine vorgeschlagen, dass ich doch einen neuen Esel besorgen könne. Lieber würde ich mit meiner Grossen nachhasue gehen, als sie zu verlassen. Es ist für mich selbstverständlich mich dem Schwächsten in der Gruppe anzupassen. 



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14.06.2018

... wie man zu Feriensouverniers kommt

Gemütlich laufen wir durch das Département Pilat. Von weitem sehen wir eine Eselweide mit viel hübschen kleinen Eseln. An solchen Weiden sind wir schon oft vorbeigelaufen. Es hat einige Esel in Frankreich. Leider sind die meisten, weil sie so wunderbar grosszügige Weiden haben, viel zu dick.

Die Esel begrüssen sich gegenseitig. Gerade als ich weiterlaufen möchte, zwängt sich ein caramelfarbiger durch den Stacheldraht. Er verletzt sich am Hals. Sofort wird mir klar, dass dieses Modell kaum grösser als meine Fiona, ein tempramentvoller Hengst ist. Alicia gerade rössig vom feinsten, kann ich kaum zum Weiterlaufen bewegen. Der Kerl wird richtig aufdringlich. Ich versuche ihn noch mit meinem Wanderstock zu vertreiben. Das beeindruckt ihn überhaupt nicht. Die Naturgewalten von diesen Beiden werden mir viel zu heftig. Ich kann nur noch einen Sprung zur Seite machen, sonst wäre ich in mitten eines heissen Liebesspiel, welches bei Eseln nicht unbedingt sanft und zärtlich ist.

Noch versuche ich meine Grosse voranzutreiben und den Hengst abzuwimmeln. Keine Chance, die Beiden denken, was willst du kleiner Mensch?

So nehme ich meine Kamera und filme wenigstens dieses Schauspiel. Weit und breit sind keine Häuser zu sehen. Der Kerl verfolgt uns weiterhin, was Alicia ganz gut gefällt. Sie hat sich schon lange wieder Nachwuchs gewünscht. Ich habe allerdings von einem grösseren Vater für das Fohlen geträumt.

In Greznou kehre ich in der Auberge du père Darbel ein. Die sehr lieben Menschen der Auberge, helfen mir den Besitzer des tempramentvollen Franzosen zu finden. Yves lädt uns zum Nachtessen ein. Es wird ein lustiger Abend in kleiner netter Runde. Das Geschehene müsse ja begossen werden.

Noch zwei Tage verweile ich in der Auberge. Ich helfe im und um das Haus mit. Es ist interessant zu sehen was das dreier Team in der Auberge alles leistet. Ein Besuch dort, ist sicher ein Geheimtipp. Yves als leidenschaftlicher Koch, baut in seinem Garten sehr viel Gemüse in Permakultur an und verarbeitet es frisch in der Küche für seine Gäste. 

        
                                 



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16.07.2018

Susanne schreibt:


Hallo Jasmin, Hallo Norbert,

ich freu mich dass es eure Internetseite gibt und ihr euch freut über Geschichten von Gleichgesinnten. Eine grosse Reise kann ich mit meinem Pferd noch nicht unternehmen, da er erst zwei Jahre alt ist. Aber viele kleine Reisen haben wir schon unternommen. Unsere erste richtige Brücke haben wir dieses Jahr gemeinsam überquert. Die Angst aus einem Brunnen zu trinken ist auch überwunden. Alleine mit ihm im Gelände unterwegs zu sein ist kein Problem. Das sind unsere kleine Geschichten übers Reisen die wir euch erzählen können. Ich freue mich über jedes kleine Ziel welches wir gemeinsam erreicht haben um später auf grosse Reisen zu gehen. 


Liebe Anita,

Ich freu mich dass du mit deinem Sohn und den Eseln so eine tolle Reise unternimmst. Schön ist es auch, dass du uns daran teilhaben lässt. Weiterhin eine gute und schöne Reise.

Liebe Grüße

Mr. Big & Susanne


24.07.2018


Auf dem Jakobsweg und dem Stevensonweg

Nun sind wir seit einiger Zeit auf den grossen Touristen Wanderwegen unterwegs. Zuerst viele Kilometer auf dem Jakobsweg und ab Monastier sur gazeille auf dem Stevensonweg.
Die Landschaft ist traumhaft schön. Aber man spürt, dass die Anwohner dieser beiden Wege, überdrüssig sind auf die vielen Touristen. Ich kann das gut verstehen, denn man sieht am Wegrand oft menschliche Exkremente, mit fast nicht verrottetem WC Papier. Einerseits dürfen sich die Bewohner dieser kleinen Dörfer glücklich schätzen, weil Dank der Touristen die Läden florieren. Die kleinen, verträumten Siedlungen wären sonst fast ausgestorben. Andrerseits reagieren die Bewohner negativ auf die Touristen. Mir geschah es in la Baptiste Puylaurent, dass ich nach langem und intensivem Regen aus der Kirche, wo ich Zuflucht suchte, vertrieben wurde.



Alles in allem kann ich diese Menschen verstehen und begreife, wieso sie so reagieren. Darum laufe ich lieber auf unbekannten Wegen. Dort sind die Menschen viel offener und gesprächiger. Man lernt so die wahren Franzosen, mit ihrem Charme und ihrer ausgeprägten Solidarität, kennen. Die intensiv begangenen Wege haben dafür den Vorteil, dass die Wanderer sich besser kennen lernen, da man sich immer wieder trifft.



Auf dem Stevensonweg zu wandern ist einer meiner jetzt gelebten Träume. Bereits vor Jahren habe ich das Buch von Louis Robert Stevenson gelesen. Es hat mich fasziniert, wie er mit der in Monastier erworbenen Eselin Modestin durch diese Gegend gewandert ist. Er beschreibt die Landschaft in so bunten Farben, dass ich es nicht wage Ihnen meine Schilderungen von dieser Gegend mitzuteilen. Auf jeden Fall hat mich die Geschichte von Stevenson so interessiert, dass ich es auf die Liste „Träume die noch erlebt werden müssen“ getan habe. Ich bin glücklich, dass ich diesen Schritt verwirklichte und meinen Traum lebe. Es ist zwar nicht immer einfach, zum Beispiel wie heute, mit nassen Kleidern, tiefen Temperaturen und einem Wind der durch alles hindurch dringt (ausser durch meinen Biwak Sack).

   

Das vorgängig durchlaufene Veley, mit der eindrücklichen Vulkanlandschaft, liebe ich sehr. Die interessanten Steingebilde, wo man darüber rätselt, ob es von Vulkanausbrüchen stammt, oder ob es übergrosse mystisch versteinerte Bäume sind. Die Landschaft ist geprägt durch wechselnde Farben, von rot zu schwarz, bis grau und glitzrig, je nach Vulkangestein. Die Wege sind ein ständiges auf und ab. Oben angekommen werden wir mit einer herrlichen Aussicht auf das Veley belohnt. In Pradelle werden wir von Philippe und Verena zum Verweilen eingeladen. Sie kommen aus Paris und renovieren zurzeit ihr Sommerhaus. Wir dürfen duschen, Kleider waschen und werden dazu noch fein bewirtet. Danke Verena und Philippe!

  
  


Im Gévaudon ist es betreffend Aussicht anders. Auch hier laufen wir hinauf und herunter. Leider hat man aber oben nicht immer Aussicht auf die Täler, sondern sieht einfach Wald, oder der nächste Hügel. Es ist bergig, mit weiten Wäldern und hübschen und romantischen Wegen. Falls man doch einmal in die Weite sieht, ist die Natur atemberaubend. Seit einigen Jahren bläst hier allerdings ein alles durchdringender Wind, welcher gemäss alt eingesessenen Bewohnern noch vor Jahren nicht bekannt war. Dem Monster von Gévaudon bin ich bis jetzt, Gott sei Dank, nicht begegnet. Die Geschichte davon höre ich von Christoph. Er wohnt in seinem Wohnwagen vor dem Chateau du Luc und erzählt den interessierten Wanderern von Gott und zitiert gerne aus der Bibel. Er hat kaum etwas zum Leben und teilt aber das Wenige noch mit uns.

09.08.2018

Der Stevenson ist beendet. Wir haben es genossen, in den klaren Bächlein zu baden und uns zu kühlen. Für alle die diese Gegend mit ihren Equiden machen möchten: die letzte Etappe vom GR 70 bitte nicht mit Eseln, Mulis oder Pferden machen. Sie ist absolut nicht geeignet. Jetzt weiss ich auch wieso Stevenson diesen letzten Teil mit der Postkutsche machte. Er schrieb, dass die Eselin Modestin am Bein verletzt war und nicht mehr weiter laufen konnte. Vielleicht wollte er eben diesen Teil mit ihr machen. Da kann ich es gut nachvollziehen, dass sie sich verletzte. Es sind wirklich hohe Felsen die bezwungen werden müssen. Ich bin froh, sind meine Esel ganz und gesund unten angekommen. Immer wieder habe ich ihnen das Gepäck abgenommen, damit sie leichter springen können. Sie sind wirklich super. die Beiden. Ich bin stolz darauf, was sie alles leisten.

   

Ein Anwohner von einem kleinen Weiler sagte, da sind sie mit den Eseln runter? Das ist unmöglich. Ja, das habe ich auch gemerkt. Ich wäre auch liebend gerne umgekehrt, nur konnten wir nicht mehr über die Felsplatte zurück, die wir für den Abstieg nahmen. Es steht auch in keinem Reiseführer und auf den Office de tourisme wurde es ebenfalls nicht erwähnt, obwohl ich da gesagt habe, dass ich mit meinen Eseln bis Alès laufe. Mietesel kann man offensichtlich nur bis Saint-Jean-du-Gard mieten.




Noch mit dem Schock in den Knochen, bin ich ziemlich erschöpft durch Alès gelaufen. Als mich in perfektem französisch eine Dame ansprach und zu sich einlädt. Nach ein bisschen plaudern haben wir gemerkt, dass wir uns auf Schweizerdeutsch unterhalten können.
Wir durften uns in der schönen Villa mit dem grossen Park von den Strapazen erholen. Danke Ramón und Raquel. Ihr seid genau zur rechten Zeit in meinem Leben aufgetaucht.



Nun kommt die letzte Etappe. Ans Meer. Ich habe mich entschieden in die Camarque zu laufen. Wieder verlasse ich mich auf die Wanderwege, welche mir mein CH Wanderplaner vorschlägt. Ich liebe es auf diesen unbekannten, verschlungenen Wegen zu laufen. Unterwegs plauderte ich mit einem Passanten, ich erzählte ihm unsere Geschichte. Nach kurzer Zeit sahen wir ihn wieder. Er ging nach Hause und holte uns eine Kiste mit frischem Gemüse und Früchten. Oh wie habe ich mich über diese wunderbare Geste gefreut. 



 
26. August 2018

Vor 10 Tagen haben wir nach ca. 1300 km das Meer erreicht. Der Glaceverkäufer, welcher gerade Feierabend hat, schenkt Michael noch ein Eis. Er ist so begeistert von unserer Geschichte. Wir kommmen gerade rechtzeitig, um den Sonnenuntergang zu bewundern. Leider sind am Strand Hunde verboten. Wir lassen die Tiere auf dem Parkplatz und springen in die erfrischenden Wellen.



Am Ende des Parkplatzes, beziehen wir unser Quartier. Weit weg von den Läden in Grau du Roi, weit weg von einer Wasserstelle mit Süsswasser. Während des Einschlafens überlege ich noch, was für einen Blödsinn habe ich gemacht, ans Meer zu laufen.

  

Nach unserem Hafermüesli Frühstück mit frischen und getrockneten Früchten darf ich mit heimischen Menschen sprechen. Sie sagen mir, dass ich ca. 1 km gegen Saintes Maries de la Mère laufen soll, da sei ein unbewachter Strand. Ich beherzige den Geheimtipp und packe meine Esel - zu spät - die Strandwächter sind schon wacker an der Arbeit und halten mich auf. Nun erzähle ich auch ihnen meine Geschichte. Sie schliessen die Augen und sagen, dass weder ich sie gesehen habe, noch sie mich. Dann laufe ich weit nach Osten. Nach dem Strand mit den Naturisten dürfen sich die Esel in den Dünen erholen und wir geniessen das Meer. Nun kommt das wunderbare Gefühl - ich habe eine weitere Etappe auf meiner Reise geschafft. Als ich dann von einem Schiff 60 Liter Wasser bekomme, entspanne ich mich und geniesse vollends.

  

Zwei Tage bleiben wir in der sandigen, salzigen, weiten Welt, bevor wir uns in die wunderbare Camarque zurück ziehen. Eine Frau kommt auf uns zu. Sie fühlt sich geehrt, dass sie uns begegnet. Von uns werde am Strand so viel erzählt. Sie wünscht mir Gottes Segen und hat Freudestränen, was mich emotional sehr berührt. Erst jetzt wird mir bewusst, was wir geleistet haben. Der Glaceverkäufer hat anscheinend vielen von uns erzählt - und ich dachte, ich könne mich heimlich am Strand aufhalten. :-))

In Aigues Mortes werden wir drei Tage auf ein Hausboot eingeladen, die Esel dürfen den nicht bepflanzten Schrebergarten düngen und jäten. Es ist für mich sehr spannend, so viele lebensweisen zu fühlen und zu erleben.




Ich liebe die weite der Camarque, die wilden Pferde, die Flamingos und Torros. Nach 2 tägigen Marsch begenen wir Elsbeth, eine taffe Frau, die seit Jahren in der Camarque lebt. Auch sie ist sehr gastfreundlich, lädt uns ein und zeigt uns weitere Teile der Camarque. Ein Ritt auf den hübschen Camarque Pferden ist auch im Programm. In dem charmanten St. Maries§ de la Mère dürfen wir uns im Tamaris bei einem Muschel Essen verwöhnen lassen. Ich bin verliebt in dieses wunderbare Land. 

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08.09.2018

Liebe Leser unserer Geschichte

Danke für euer Interesse, für die vielen aufmunternden Worte, für die psychische Unterstützung etc. Auch den vielen lieben Leute, die uns auf dieser Tour eingeladen und beschenkt haben ein herzliches Dankeschön. Wir haben so viele intensive und schöne Erinnerungen in unseren Herzen. Diese sind unbezahlbar und sehr wertvoll.



Unsere Reise geht nun im Stillen weiter. Wir sind immer noch, auf unbesstimmte Zeit, in dieser schönen Welt unterwegs. Wir schmieden bereits neue Pläne, für weitere Erlebnisse. Unsere Wege führen sicher noch eine zeitlang durch mein geliebtes Frankreich.

Für persönliche Kontakte bin ich hie und da unter folgender E-Mail erreichbar:

diesaeumerin@gmail.com

Herzlich Anita



 
 
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