Die Reise einer ungewöhnlichen Frau - Reisen- Wandern mit dem Pferd Muli oder Esel

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Die Reise einer ungewöhnlichen Frau



2 Menschen, 2 Esel, 2 Hunde
 05.03.2018.  von Anita aus der Schweiz

Es ist ein gut durchdachtes und organisiertes Projekt. So gut wie es geht im Voraus, denn das
Abenteuer darf auch Platz haben. Die Gründe für den Entscheid sind vielfältig. Einmal ans Meer
zu laufen, langsam aber stetig, ist ein Wunsch, der aus tiefstem Herzen kommt.
Auf diese Reise bin ich mich seit
Monaten, ja sogar Jahren am Vorbereiten. Mit meinen Wochentouren habe ich das Material
optimiert und ganz nebenbei bemerkt, dass diese Art von Reisen mir absolut entspricht. Frei in
der Natur zu übernachten, unter dem Sternenhimmel dem Wetter trotzen egal wie heiss oder nass
es ist. 
Sorgfältig habe ich meine Ausrüstung ausgesucht und immer darauf geachtet, dass das
Gewicht und Volumen möglichst gering ist.
Meine grosse Versicherung ist Bernadette, eine liebe Eselfreundin, die mich und mein Trüpplein
mit dem Anhänger zurück holen wird, falls wir aus irgend einem Grund nicht mehr weiter kommen.
Nachdem ich nun 22 Jahre meine Familie von meinem Sebstversorgerhof in harter, schöner und
befriedigender Arbeit ernährt habe, nehme ich mir ab 15. April sozusagen eine Auszeit. Da ist der
grosse Tag des Abmarschs. Ab diesem Datum bin ich nicht mehr in der Schweiz angemeldet. Wir
wissen heute noch nicht, wie lange wir unterwegs sind, ob wir das Meer überhaupt erreichen und
welche Abenteuer auf uns warten.
Michael, mein Sohn hat noch nie ein Schulzimmer betreten, zumindest nicht als Schüler. Sein
Schulungsort ist die Welt. Er darf als Freilerner unterwegs sein, so lange bis er sich von Lehrern
unterrichten lassen möchte. Auch dieses Projekt ist lange durchdacht und studiert. Die ersten
Erfahrungen diesbezüglich, machte ich mit meinem mittleren Sohn, der eine kurze Zeit frei lernen
durfte. In dieser Zeit hat er seine schwächste Fähigkeit, das Lesen, mit voller Hingabe gefördert.
Sobald den Kindern der Druck genommen wird, blühen sie zu wahren Perlen auf. 


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17.03.2018

Nun ist alles bereit für unsere Reise. Die Vorbereitungen sind vollendet, so meine ich. Kurz vor dem Start, passiert dann doch noch ein Unglück.
An dem Tag, als wir das Fondue im Wald, mit Eselfreunden geniessen, legt sich Alicia kurz hin. Leider war der Packsattel noch auf ihrem
Rücken. Ein Seitenholm ist gebrochen.



Was nun, in 6 Wochen starte ich meine Tour. Ich habe bereits drei von vier Seitenholmen selber repariert. Seit Alicia athletischer ist, passt der Packsattel
auch nicht wirklich gut. Ich habe den Sattel von Atelier Cuire. Er ist sicher gut für kleine Touren oder Einkäufe im Städtli. Ich merke schon seit einiger Zeit, dass Alicia ihn auf langen Touren, nicht
mehr gerne auf dem Rücken hat.
So gebe ich einen Hilfeschrei an Norbert weiter. Er reagiert prompt, hatte bereits eine Vision vom defekten Packsattel und fährt sofort in die Schweiz. Mich überzeugt die schlichte Art vom Modell
Traveller. Man sieht, dass dieser Sattel aus der Erfahrung des Säumens entstanden ist. 
Schlicht, einfach, nichts zu viel und genau das was wir Trekking Säumer brauchen. Nun ist er fleissig an der Arbeit......
Ob das was wird? Ich bin guten Mutes und doch kann ich den Sattel nicht mehr richtig testen. 
Ein Sprung ins kalte Wasser, sozusagen.
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24.04.2018

Der Sprung ins "kalte Wasser" hat sich gelohnt.

Nun sind wir seit Freitag dem 13.4. unterwegs. 
Heute ist der 9. Tag unserer Reise. Morgen erreichen  wir den wahrscheinlich höchsten Punkt der vorgesehenen Wanderung. Der Chasseral mit seinen stolzen 1607 m.ü.M. Von meinem heutigen Lager aus sehe ich den Gipfel, noch mit Schnee bedeckt.

Das Packen mit dem neuen Packsystem von Norbert funktioniert. Alicia läuft sehr gut unter dem neuen Sattel. Er ist sehr durchdacht und die Erfahrung spricht aus diesem System. Ich bin richtig froh darüber.
Wir kommen  langsam aber stetig voran, was mir in dieser schönen Gegend, die wir gerade durchwandern sehr willkommen ist. Es gibt viel Interessantes zu sehen, so verweilen wir unter anderem an der Emme und sehen uns die Arbeit der Biber an.

Zum Einen ist der Weg das Ziel und zum Anderen weiss ich diese neue Art zu reisen sehr zu schätzen. Ich muss kein Ziel zu irgend einer Zeit erreichen. Denn mit dem ersten Schritt, den wir gemacht haben, ist das Ziel bereits erreicht, und wir können nach dem Lustprinzip weitergehen.

       



Der heutige Weg war ein auf und ab wandern, so wie während der ersten Tage meine Gefühle waren.
Erst seit dem vierten Tag bin ich wirklich entspannt. Wusste ich doch am Anfang noch gar nicht, ob uns das neue Packsystem passt. Da war auch der Abschied auf unbestimmte Zeit von meiner Familie.

Mir tut diese Auszeit sehr gut. Ich habe unterwegs wunderbare Gespräche mit netten Menschen. Zum Beispiel diese Frau die mir in Magglingen zurief, ob ich durch Burgdorf gelaufen sei. Ihre Freundin habe ihr erzählt von einer Frau mit Esel Hund und Kind. Wie ist doch die Welt klein.

Das Wetter spielt bis jetzt wunderbar mit. Wir erlebten erst eine Regennacht, die wir trocken unter einer Plane verbracht haben.

Meine Tiere machen super mit. Es sind tolle Esel, auf die ich mich absolut verlassen kann. Es ist eine grosse Freude mit ihnen durch die Welt zu ziehen. 

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09.05.2018


Mitteilung an Anita:

Hallo Anita und Deine Begleiter. 
Nach unserem Treffen an der Emme verfolgen mich immer die Gedanken an euer Abenteuer . Mein Mann der Jäger war auch fasziniert von Eurem Reisefieber. Nun wünschen wir tolle Erlebnisse alles Liebe und Gute, hoffe wir treffen uns irgend wo. 
Heits Guet u vieu Glück. 

Liebe Grüße us Rüegsou Therese und Paul.
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20.05.2018

Bereits Ende April sind wir von der Schweiz bei les Verrières nach Frankreich eingereist. Wir konnten die Grenze problemlos überschreiten, wahrscheinlich waren alle Zöllner in der Mittagspause.



Nun beginnen wunderbare Wanderwege durch den Haut Jura. Es ist paradisisch diese Natur zu durchlaufen. Kilometerweit Wälder und Felder.


Mein Schweizer Wanderplaner wählt wunderbare Wanderwege aus. Ich wusste anfänglich nicht, ob ich mit dieser App in Frankreich weiter kommen werde. Auf der digitalen Karte sind nicht alle Wege eingezeichnet wie in der Schweiz, doch die Routen die es mir angibt sind bis jetzt verlässlich.

Nach drei wöchiger Wanderung machen wir auf einem Zeltplatz bei les Thévinins Rast. Wir dürfen unsere Kleider mit der Maschine waschen und duschen..... Was für eine Wohltat. Meine Söhne und Freunde von zu Hause kommen zum Bräteln  (Grillen) auf Besuch.




Nach zwei Tagen laufen wir weiter. Nun ist die Gegend so wenig besiedelt, dass wir immer darauf achten müssen, wann und wo, für wieviele Tage wir unsere Vorräte einkaufen. Googel maps tut da gute Dienste. Wir sehen wo es Läden oder Restaurants hat, (diese sind immer dann geschlossen, wenn wir an ihnen vorbei laufen), und wann die Öffnungszeiten sind.



...Oh die Geschichte mit dem Bach und den Wanderwegen die zu reissenden Flüssen werden...

Als wir durch ein wunderbares Supfgebiet laufen, es ist von oben und unten nass. Da ist bereits der Wanderweg ein Fluss und dieser durchquert einen richtigen Bach, an normalen Tagen wahrscheinlich einfach zu passieren. Nun scheint das Wasser ziemlich tief. Ich entscheide mich, die Schuhe auszuziehen, tatsächlich kommt das Wasser bis zu den Knieen. Ich denke noch, wie kommen die Esel da rüber. Ich konnte nicht fertig denken, folgt mir Fiona bereits. Wenn Fiona kommt läuft auch Alicia. Nur der kleine Hund Chili musste ich noch seperat holen. Er wagte den Sprung ins kalte Wasser nicht. Es sind so tolle Esel. Die vier Jahre, mit täglichen Spaziergängen und allen möglichen und unmöglichen Hindernissen zahlt sich aus.
Nun folgen Regentage. Wir finden ein Dach über dem Kopf am Lac d’ante. Da bleiben wir vier Tage. Schnitzen uns Wanderstäbe und geniessen das nichts tun. 



Die Wanderung geht weiter durch Buchswälder. Nie zuvor habe ich solch einen märchenhaften Wald gesehen, so wunderschön und romantisch. Elfen, Zwerge und Trolle leben ganz sicher in ihnen.

 

 


Nach solchen Regentagen ist die Sonne ein besonders wohltuendes Geschenk. Wenn du dann noch auf einen Aussichtspunkt kommst, von dem aus du die ganze wunderbare Landschaft bei herrlichem Wetter überblicken darfst, weißt du, wofür du durch Kälte und Nässe gelaufen bist.


Der Blick auf die Ain ist atemberaubend. Wir steigen ab bis fast an das Flussufer. Immer wieder begegnen wir Menschen die uns einladen oder wir einfach nette Gespräche haben, wie bei euch in Rügsou ;-)

Wir lageren an einem einsamen Platz mit einer enormen Planzen- und Vogelvielfalt. Ein ideales Schulzimmer, für Michael. Wir sind nun den dritten Tag hier und geniesen das Leben in dieser faszinierenden Landschaft.


 
 
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