Alpenüberquerung 2012 - Wandern mit dem Pferd Muli oder Esel

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Alpenüberquerung 2012

Touren / Galerie

Mit der Tinkerstute Atlanta geht es zwei Wochen lang über die Alpen. Geschlafen wird im Freien, die Wege werden vor Ort erkundet. Die große Herausforderung ist das 3123 Meter hohe Madritschjoch im Ortlergebirge. Abenteuer und einzigartige Lebenserfahrung in einer faszinierenden Natur.
Zwei Wochen mit dem Packpferd über die Alpen. Deutschland, Österreich und Italien sollen durchquert werden, mit dem Ziel das 3123 Meter hohe Madritschjoch im italienischen Ortlergebirge zu bezwingen. Die Planung fällt wie immer sehr spartanisch aus, Start ist Oberstdorf, Ziel das Ötztal und alles was dazwischen liegt ein unvorhersehbares Abenteuer. Unsere Tinkerstute 'Atlanta' trägt die Ausrüstung, geschlafen wird im Freien und die Wege werden vor Ort erkundet.
Also los, von Oberstdorf geht es erstmal durch das Stillachtal und dann über die Lechleitner Alm ins Lechtal - alles easy bis hierhin.

Alpenüberquerung Packpferd

Wir wollen weiter über das Kaiserjoch, erfahren aber, dass der Wanderweg von einem gewaltigen Erdrutsch zerstört, und nur notdürftig wieder instand gesetzt wurde. Eine verbaute Steigleiter macht es für das Pferd unmöglich über das Joch zu kommen. Also Planänderung. Von der Bodenalpe über die Leutkircher Hütte müssen wir nun ins Nachbartal kommen, ansonsten wird die Zeit knapp.
Ein heranziehendes Unwetter macht den Aufstieg auf 2251Metern Höhe am selben Tag unmöglich – Gott sei dank, so können wir hier auf der Alm dem Sepp beim Buttermachen zusehen und das weltbeste Butterbrot am Morgen vor der Weiterreise genießen.

Wandern mit Pferd Alpen

Also hoch Richtung Hütte! Am Anfang geht alles gut, die ersten schwierigen Stellen sind überwunden, es wird wohl bald besser gehen. Irrtum, der Weg ist für das Pferd immer schwieriger zu bewältigen. Atlanta stolpert hektisch über die rutschigen Steinplatten und kämpft ihre knapp 600 Kilo den Berg hinauf. Der Schweiß tropft an den Beinen herunter, als wir das Pferd auf einer herrlichen Wiese unterhalb der Leutkircher Hütte absatteln um dem erschöpften Tier eine Pause zu gönnen. Aber Atlanta zeigt uns nach ein paar Minuten Ruhe, dass wir sie komplett falsch eingeschätzt haben. Mit einem Mal galoppiert sie die umliegenden Berge hoch und runter, wälzt sich oben auf dem Kamm und genießt den fantastischen Ausblick.
Umso besser, das Pferd ist augenscheinlich nicht überfordert und wir können weitermarschieren.
Jetzt geht es weiter nach Landeck und von dort über den Reschenpass nach Italien.

Alpenüberquerung Pferd

Ranger und Indianer

Prad ist dann der nächste Stopp, bevor wir weiter nach Sulden wollen und von dort aus über das Madritschjoch.
Hier im engen Tal ist es schwierig eine Wiese für das Pferd zu finden, ohne Ärger zu bekommen. Wo kann man denn hier mit dem Pferd übernachten, fragen wir daher einen Mann der uns etwas skeptisch beobachtet hatte. Nach kurzem Überlegen bekommen wir eine Antwort auf unsere Frage. Zum Ranger-Franz am Ende der Straße sollen wir gehen, der hat auch Pferde. Ranger-Franz?, na gut schauen wir mal. Der befragte Mann hatte uns wohl schon angekündigt, da der 'Ranger' uns an seinem Hof erwartete. Schnell wussten wir auch woher der Franz seinen Beinamen 'Ranger' hatte. Ein älterer Mann mit grauen Dreadlocks und Kopftuch der auf seinem Bauernhof, äh ich meinte auf seiner 'Sold-River-Ranch' lebt, auf der man vom Kuhschädel, über Vogelflügel bis hin zur Barbypuppe fast alles finden kann. Ein einfacher Mensch, der nicht viel braucht um glücklich zu sein und auf meine Frage ob er von seinen paar Kühen leben könne wie folgt antwortete: „Ich lebe vom Leben, denn nur die Maschinen, Steuern etc. kosten viel Geld, nicht das Leben selbst.“

Am nächsten Tag geht es hoch nach Sulden, wo wir erstmal das 'Indianerland' durchqueren müssen. Der 'Ranger' hatte uns schon vor dem 'Indianer' gewarnt, der gerne etwas Geld für das Fotografieren seiner Indianerkunst verlangt. So langsam fragen wir uns ernsthaft, ob wir noch in den Alpen sind ?!

Wandern Pferd Alpen

Hotelbesuch mit Pferd

In Sulden angekommen ist das Alpenflair wieder da und wir suchen erneut einen Platz für die Nacht, als plötzlich ein Geländewagen neben uns anhält. Die Scheibe wird heruntergekurbelt und wir werden gefragt wohin wir wollen. Nirgendwohin, nur einen Schlafplatz brauchen wir noch. Den hatten wir in diesem Moment schon, der Autoinsasse war nämlich Besitzer eines Hotels gleich um die Ecke und lud uns als seine Gäste ein, Atlanta inklusive, die auf der Hotelwiese das feinste Gräslein zupfen durfte. Eine heiße Dusche, bestes Essen und dann auch noch der Lieblings-Whisky, das hätten wir wirklich nicht erwartet. Trotz fröhlicher Runde krabbeln wir früh in unser Zelt, da wir am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang los wollen.

Die große Herausforderung

Vier Uhr morgens ist es, als wir fertig gepackt haben. Ein kalter, stürmischer Wind treibt die Wolken über das Gebirge, eine mystische Stimmung die unsere Anspannung noch verstärkt.
Der Aufstieg wird kein Problem darstellen, aber was erwartet uns auf der anderen Seite des 3123 Meter hohen Madritschjoch?
Der Aufstieg ist wie erwartet anstrengen aber problemlos mit dem Pferd zu schaffen.
Das Ortlergebirge fasziniert mit seiner schroffen Stein- und Eis-Welt und ist die Anstrengungen mehr als wert.
Nach 1223 Höhenmetern haben wir es geschafft, das Joch ist erreicht, wir sind oben. Doch das Durchatmen ist nur von kurzer Dauer, wir wollen direkt weiter, der Wind ist hier oben so stark, dass ich Mühe habe die Kamera ruhig zu halten.
Als Norbert mit Atlanta die ersten Schritte bergab wagt, höre ich nur noch hinter mir eine Frau aufgebracht zu ihrem Mann sagen: „ Das ist doch Wahnsinn, da kann man dem Pferd ja gleich den Bolzenschuss geben.“ Na danke, das gibt Mut! Naja, ein bisschen verrückt muss man ja schon sein um mit dem Pferd hier herunterzugehen, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, so ist das eben.
Der Abstieg hat es in sich, es geht aber glatt und wir kommen müde aber glücklich an der Zufallhütte an. Ein Hirschgulasch und ein ruhiges Plätzchen für die Nacht, was will man mehr nach einem solchen Tag.

Alpenüberquerung saumpferd

Am nächsten Morgen genießen wir den Sonnenaufgang und den Ausblick des Martelltals, welches im Stilfser Joch Nationalpark liegt und von den Bergen des Cevedale- und Ortlermassivs umgeben ist.
Auf dem Weg nach Martell fragen wir einen Mann am Wegrand nach etwas Kraftfutter für das Pferd. Nein, er habe keines, das alte Pferd dort hinten frisst keine Körner mehr, aber wo wir denn eigentlich herkommen? Als wir erzählen, dass wir von Sulden aus über das Madritschjoch gekommen sind, ist er ganz baff und erzählte uns, dass seines Wissens vor 20 Jahren zum letzten Mal ein Pferd über das Joch gekommen sei, und das war er mit ein paar Kameraden. Damals schlossen die Männer eine Wette ab, wer zuerst mit den Haflingern über das Joch kommt, die Suldener oder die vom Martelltal. Und er war dabei, als die Männer aus dem Martelltal das Madritschjoch mit ihren Pferden überquerten und damit die Wette gewannen.

Durch das Etschtal geht es weiter nach Meran und dann über das Passeiertal zum Fuße des Timmelsjoch.
Nach zwölf Tagen voller Abenteuer, Begegnungen und Anstrengungen gilt es jetzt den letzten Pass von Italien nach Österreich zu überwinden, wo wir im Ötztal wieder abgeholt werden.

Der Urweg zum Timmelsjoch

Wir gehen den wunderschönen Urweg über das Timmelsjoch, der früher von den berühmten Ötztaler Kraxenträgern benutzt wurde um Waren über die Grenze zu befördern und für viel Schmuggler ein wichtiger Grenzübergang war. Das alte, steinerne Zollhaus erinnert an damalige Zeiten. Der Urweg ist Teil des Europäischen Fernwanderweges E5, der sich vom Bodensee bis zur Adria erstreckt und für jeden Natur- und Wanderliebhaber absolut empfehlenswert.

Timmelsjoch Pferd

Trotz eines Wetterumschwungs schaffen wir es noch rechtzeitig vom Joch herunter, bevor uns der Nebel ganz verschluckt.
Das war also der letzte Pass. Jetzt geht es noch durch das Ötztal bis nach Umhausen, hier ist Endstation.
Nach 14 Tagen Alpen sind wir ganz schön geschafft und nehmen jede Menge unvergessliche Erlebnisse und Begegnungen mit nach Hause.
Ein Abenteuer der besonderen Art, das einen das Leben wieder einmal hautnah erleben lässt.



 
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